SPD-Gruppe besucht Tafel Wetzlar

„Mindestens hundert Helfer brauchen wir schon, damit hier alles funktioniert.“ Das sagt Diakon Christof Mayer, der Leiter der Wetzlarer Tafel, im Gespräch mit einer Besuchergruppe der SPD Wetzlar. Mayer ist einer von acht hauptamtlich Angestellten im Mitarbeiterteam.

Fünfzig Freiwillige wirken bei der Essensausgabe oder in einem der Tafelläden mit. Darüber hinaus gibt es in etwa so viele geförderte Arbeitsverhältnisse, hauptsächlich sogenannte „1 Euro-Jobs“, und auch noch Menschen im Bundesfreiwilligendienst, die bei der Wetzlarer Tafel tätig sind.

Es sind beeindruckende Zahlen, die Mayer den Gästen, darunter dem Stadtverbandsvorsitzender Jörg Kratkey präsentiert. So betrugen die Ausgaben im Jahr 2025 für Mieten, Nebenkosten, Heizung und Strom, Fahrzeuge, Diesel und Benzin, Material, Versicherungen und Personal fast 967.000 Euro. Und das, obwohl Lebensmittel, Kleidung und weitere Gebrauchsgegenstände gespendet werden. Um kostendeckend arbeiten zu können, ist die Wetzlarer Tafel deshalb auf Geldspenden angewiesen. Und deren Entwicklung ist rückläufig.

Neben staatlichen und kirchlichen Zahlungen zählen auch die von den Empfängern geleisteten Beiträge („Münze“) für die Lebensmittelausgabe zu den Einnahmequellen der Tafel. Ab 1.11. zahlt die erste Person einer Familie 3 €. Der 2. und 3. Erwachsene zahlt 1,50 € – gedeckelt also bei maximal 6 € pro Ausgabe. Die Lebensmittelportion hat einen Wert zwischen 15 und 60 €.

Darüber hinaus gibt es einen Mittagstisch. Für 3,50 € können Bedürftige beispielsweise ein Mittagessen erhalten. Grundsätzlich ist das Essensangebot des Mittagstisches der Tafel von allen Menschen nutzbar. So kommen auch Gäste von Firmen gerne in der Mittagspause vorbei. Diese zahlen dann 4,50 €. Vorbestellen müssen alle Nutzer des Angebotes bis zum Freitag in der Vorwoche. „Wir sind eine Tafel und wollen nichts wegwerfen“, betont Mayer. Und ergänzt auf Nachfrage von Jörg Kratkey: „Wir merken, dass die Lebensmittelmärkte genauer kontrollieren. Die Menge an Waren, die uns zur Verfügung gestellt wird, wird geringer.“

Und dabei ist das Einzugsgebiet der Tafel durchaus groß. Von Ehringshausen bis Hüttenberg und von Braunfels bis Lahnau reicht es. „Es gibt kaum ein Dorf, aus dem keine Kunden zur Tafel kommen“, so Mayer. Wobei durchaus nicht alle Kommunen der Meinung sind, dass sie sich an der Finanzierung beteiligen müssen, wie der Leiter aus entsprechenden Gesprächen berichtet, ohne ins Detail zu gehen.

Darauf, dass die Kalkulation stimmt, schaut er sehr genau. Hierfür gibt Mayer gleich zwei Qualifikationen an: „Ich habe Bankkaufmann gelernt und bin Schwabe“, wie er mit einem Augenzwinkern berichtet.

Vor allem hat er aber die Menschen im Blick, die vom Angebot profitieren. Und das sind nicht nur die, die sich Essen und Kleidung abholen oder die Räume aufsuchen, um Gemeinschaft zu finden. Es sind auch diejenigen, die bei der Tafel neuen Halt durch Arbeit bekommen. Menschen, die aufgrund von Schicksalsschlägen überfordert sind.

„Das größte Armutsrisiko ist in Deutschland die Arbeitslosigkeit. Deshalb muss das wichtigste Ziel sein, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen“, so der Diakon. Ärgern tut es ihn besonders, wenn bestimmte politische Gruppen Bedürftige als faul bezeichnen. „Die Menschen wollen Arbeiten, brauchen in einer Krise aber auch Unterstützung, um wieder Fuß fassen zu können“, sagt er.

Konflikte gibt es im Rahmen der Tafel selten, was Mayer nicht nur auf klare Strukturen bei den Angeboten zurückführt, um dann einen Satz hinzuzufügen der betroffen macht: „Armut macht eben eher still“, so der Diakon.

von Olaf Körting

Der Besuch fand am Dienstag, 27.10.2026 statt

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